Unmittelbar nach den Präsidentschaftswahlen in Côte d’Ivoire war die von unserer Partnerorganisation Education – Paix – Développement gegründete „Groupe Scolaire EPD“ kurze Zeit außer Betrieb. Inzwischen hat der Unterricht zum größten Teil wieder begonnen, die Situation in Abidjan bleibt dennoch äußerst kritisch.
Die Stichwahl vom 28.November zwischen Altpräsident Laurent Gbagbo und dem Oppositionellen Alassane Ouattara führte zu keinem von allen akzeptierten Ergebnis. Beide Kandidaten beanspruchen, die Wahl gewonnen zu haben, haben ihren Eid abgelegt und einen Premierminister mitsamt Kabinett bestimmt. Der Kandidat Ouattara wird von der unabhängigen Wahlkommission, den Forces Nouvelles (Ex-Rebellen, die den Norden des Landes kontrollieren), der UNO, der Afrikanischen Union, der Wirtschafts- und Währungsunion der westafrikanischen Staaten (ECOWAS), der EU, der USA etc. – kurz: dem Who-is-who der internationalen Gemeinschaft – als legitim betrachtet. Auf der Seite von Gbagbo steht lediglich das Verfassungsgericht. Allerdings kontrolliert er das Militär und die Medien im Land. Ein wichtiger Faktor – was die Schließung der Grenzen und die Zensur ausländischer Medienberichterstattung der letzten Woche beweist.
Der zwischen dem muslimisch geprägten, wirtschaftlich schwächeren Norden und dem christlich geprägten, wirtschaftlich stärkeren Süden herrschende Konflikt, der das Land seit 2002 spaltet, wird durch die aktuelle politische Situation verschärft. Erste Vermittlungsversuche haben nichts erreicht und die UNO hat bereits alle verzichtbaren Mitarbeiter aus dem Land abgezogen. Man könnte meinen: beide Seiten haben ihren Ritter gefunden und bereiten sich auf eine letzte Schlacht vor – aber das spiegelt nicht den (politischen) Willen des größten Teils der Bevölkerung wieder, der sich seit langen Jahren der Spaltung eine friedliche Einigung mehr als alles andere wünscht. Die friedliebende Bevölkerung wird von machtbesessenen Politikern und hörigen Milizen als „Geisel“ gehalten. Es bleibt wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Angst in Gewalt umschlägt.
«Vers la fin c’est dieux qui est grand. Ca va aller. Inschallah» – sinngemäß: «Gott ist groß. Es wird schon gehen.»
Solange die Hoffnung auf eine friedliche Lösung bleibt, werden die Hände der Erzürnten ruhen.
Die Lage ist ernst. Eine direkte Gefahr für die Schule besteht jedoch nicht.
Für Interessierte:
www.abidjan.net – aktuellste Informationen von der ivorischen Internetplattform (französisch)
www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/elfenbeinkueste-zwei-regierungen


